Alltag im Mittelalter: Das Leben von Adel, Bauern & Klerus


Das Alltagsleben im Mittelalter hing in erster Linie vom gesellschaftlichen Stand ab. Während Adlige mit Krieg, der Jagd oder ihren privaten Vergnügungen beschäftigt waren, studierte der Klerus die heilige Schrift und die breite Masse der Bevölkerung musste für die beiden zuvor genannten Parteien und deren Familien arbeiten. Besonders die Bauern waren als Vasallen verpflichtet die Felder ihrer Lehnsherren zu bestellen und von morgens bis abends im Schweiße ihres Angesichts zu arbeiten.

Auch Klöster spielten eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Gesellschaft. Hier konnte der Adel Söhne und Töchter hinschicken, für die es in der Welt des Adels keine Verwendung gab. Außerdem konnten solche Nonnen oder Mönche für das Heil der gesamten Familie beten. Durch Schenkungen, sogenannte Prekarien, wie Grundstücke oder sogar kleine Dörfer wurden die Klöster irgendwann so reich, dass sie selbst diverse Nutzungsrechte und Grundstücke kaufen konnten. Nicht immer häuften die Klöster Reichtum auf moralischem Wege an. Die Zisterziensermönche z.B. verdingten sich im 12. Jh. durch Pfandleihe oder dadurch, dass sie gegen Entlohnung Wertgegenstände und Geld in ihren Klostertresoren in Verwahrung nahmen.

Freizeitbeschäftigungen des mittelalterlichen Adels

Sofern die Adligen nicht gerade mit einer Fehde gegen einen Nachbarn oder einem anderen Krieg beschäftigt waren, gingen sie meist - für das Mittelalter - extravaganten Freizeitbeschäftigungen nach. Besonders beliebt war die Jagd in all ihren Formen, egal ob Falkenjagd, Hetzjagd mit Hunden oder die Pirsch. Nach dererlei Jagdveranstaltungen pflegte man dann wahrhaft fürstlich zu speisen. Im 14. Jahrhundert war es dabei besonders wichtig die geladenen Gäste mit "Spezialeffekten" zu beeindrucken. So wurden die Speisen manchmal auf besonderem Wege zu den Gästen gebracht, wie z.B. auf einer Empore aus dem Boden empor gefahren oder auf künstlichen Wolken von der Decke herabgelassen. Während des Essens ließ man sich gerne von allerlei Entertainern wie Feuerspuckern, Tänzerinnen, Schwertschluckern oder anderen Spaßmachern unterhalten. Nach den gereichten Leckereien entfernte dann die Dienerschaft das Mobiliar, damit getanzt werden konnte. Ab dem 15. Jahrhundert wurden Paartänze aus moralischen Gründen allerdings verboten, so dass man Reigentänze oder Polonaise tanzte. Alternativ zum Tanzen konnte man sich dem Würfelspiel oder dem Geschichten erzählen hingeben. Eine ganz besondere Form der Unterhaltung stellte die sogenannte "Minneburg" dar. Dabei mussten sich die Damen in einer improvisierten Burg aus Stoffen und Fellen gegen ihre Verehrer verteidigen, indem sie diese von oben mit kleinen Törtchen, Parfümfläschchen, Obst, Nüssen oder Blumen bewarfen. Ungeschlagen in seiner Beliebtheit war allerdings das Ritterturnier, bei welchem die Männerwelt sich vor den Damen bei verschiedenen kriegerischen Wettkämpfen profilieren konnte.

Essen in der mittelalterlichen Bevölkerung

Durch einen hohen täglichen Kalorienverbrauch bei schweren Arbeiten aßen die Menschen im Mittelalter fettiger, öfter und reichhaltiger als wir es heutzutage tun. Besonders die Armen neigten dazu sich regelrecht vollzustopfen wenn es etwas zu essen gab, weil sie ja nie wussten wie lange sie auf die nächste Mahlzeit warten mussten. Jeder, der reicher als der typische Bauer war, konnte auch in ein Gasthaus gehen. Hier wurden jedoch Speisen abhängig von Rang und Stand ausgegeben, so dass nur Kaufleute oder Meister eines Betriebes die wirklich erlesenen Gerichte zu sehen bekamen.

Bei Bauern, Handwerker und Gesinde stand z.B. Folgendes auf dem Speiseplan: Besonders Grützen oder Breie aus allem was die Felder so hergaben wie Gerste, Hafer, Weizen, Roggen, Erbsen oder Bohnen jeweils mit Wasser, Butter oder Milch aufgekocht. Vom Schlachter gab es alle Arten von Würsten, sowie Dinge, die heutige Vegetarier in Angst und Schrecken versetzen würden: Blutwurst, Hirnwurst, Schweinsköpfe und -Pfoten, sowie sämtliche Eingeweide. Ansonsten gab es besonders für Zwischenmahlzeiten verschiedene Fladenbrote und Käse. Kohl, Kraut und Rüben mit Schmalz und Speck waren ebenfalls beliebt.

Adlige und Reiche allgemein konnten sich demgegenüber auch Dinge leisten, die über das Nahrungsangebot der Felder hinaus gingen, wie z.B. teure Gewürze aus Ostasien. Typische Gerichte waren: Gebratene Hühner in Mandelsauce oder Granatapfelsaft, Eiersuppe mit Safran, Schweinekeule mit Gurke, Hühnerfleisch in Mandelmilch mit Reis, gebratene Gans mit roten Rüben, gesottener Aal mit Pfeffer, Speck und Honig, Schmalz gebackene kleine Vögel mit Rettich oder gebratenes Huhn mit Zwetschgen.

Sexualität und die Liebe im Mittelalter

Eigentlich war Nacktheit im Mittelalter nichts Anstößiges, da die Leute nackt schliefen und manchmal Fremde, Freunde oder Bekannte nackt in Badehäusern trafen. Lediglich die Kirche war äußerst Körperfeindlich und sah den Sex als Verführungswaffen des Teufels an.

Um beim anderen Geschlecht erfolgreich zu sein, galten im Mittelalter dieselben Regeln wie auch heute noch: Hände, Fingernägel, Zähne und besonders die Geschlechtsorgane mussten gereinigt und duftend sein. Bekam ein Mann dennoch nicht das Ersehnte, nahm er es sich gegebenenfalls mit Gewalt. Zwar gab es Strafkataloge mit hohen Geldbußen für das unerlaubte Berühren diverser Körperzonen der Frau, diese galten jedoch für gewisse Adlige bzw. den König nicht. Besonders der König lebte seine Triebe aus wie es ihm passte und vergewaltigte nicht selten unzählige Frauen.

Ansonsten hatten Männer noch die Möglichkeit Freudenhäuser oder "Hurenhäuser" aufzusuchen, die es auch in der kleinsten Stadt gab und welche vom Rat der Stadt oder von einem Scharfrichter beaufsichtigt wurden. Anschaffende Prostituierte konnte man in den Städten sehr leicht erkennen, weil sie sich von anderen Frauen durch ihre besondere Kleidung wie farbige Streifen auf dem Kleid oder gelbe Umhänge etc. unterschieden. Diese "Dresscodes" konnten von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein.

Bewohner & Berufe in der mittelalterlichen Stadt

In der mittelalterlichen Stadt lassen sich die Bewohner grob in Bürger und Nichtbürger einteilen. Bürger unterlagen der Wehrpflicht und mussten Steuern zahlen. Nichtbürgern blieb dies erspart, jedoch hatten sie dafür auch keinerlei andere Rechte. Sie durften z.B. keinen Grundbesitz kaufen, keiner Gilde oder Zunft beitreten und hatten keine politischen Rechte. Um Bürger zu werden, musste man einen Bürgereid ablegen und eine geringe Eintrittsgebühr zahlen. Viele sehr arme Gesellen konnten sich jedoch noch nicht einmal diese leisten.

Die gesamte Bevölkerung einer mittelalterlichen Stadt kann auch in Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht eingeteilt werden. Die Berufe der Leute waren durch die Bank sehr spezialisiert und es gab nicht wie heute Berufe, die viele Unterbereiche abdeckten. Handwerker z.B. waren auf einzelne Produkte oder Arbeitsschritte spezialisiert. So gab es nicht DEN einen Schmied in der Stadt, sondern Goldschmiede, Kupferschmiede, Silberschmiede, Haubenschmiede, Hufschmiede, Löffelschmiede, Messerschmiede, Nagelschmiede, Pflugschmiede, Sichelschmiede, Scherenschmiede und Waffenschmiede. Durch diese Spezialisierungen gab es kaum Konkurrenzdruck.

Weitere Berufe waren beispielsweise: Apotheker, Arzt, Axteindreher, Bäcker, Bader, Binder, Dachdecker, Dreher, Drescher, Eicher, Faßträger, Fischer, Gerber, Gießer, Glaser, Grabenmeister, Hafner, Harnischmacher, Heumeister, Helmschmied, Karrenspanner, Käsbohrer, Kessler, Knecht, Kornmesser, Koch, Kramer, Kupferschmied, Kürschner, Küster, Läufer, Magd, Maler, Maurer, Messerschmied, Metzger, Müller, Näherin, Ölschläger, Pfannenschmied, Ringdreher, Säckler, Sackträger, Sattler, Schaffner, Scherer, Schneider, Schröpfer, Schuhmacher, Schwertmacher, Seiler, Spengler, Spießmacher, Sporenmacher, Wächter, Wagner, Weber, Weingärtner, Weinschenk, Weinzieher, Wirt, Wollweber, Würfelmacher, Ziegler, Zimmermann, Zöllner etc.

Die Unterschicht und Randgruppen wie Juden oder Aussätzige hatten meist Berufe wie: Hirte, Spielmann, Dirne, Totengräber, Tagelöhner, Hilfsarbeiter, Ziegler, Hafenarbeiter, Seemann, Stadtpfeifer, Türmer, Nachtwächter, Bader, Bettler, Henker, Hundeschinder, Torwächter, Schäfer, Müller, Töpfer etc.


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