Hexen und Hexer im Mittelalter: Hexenverfolgung und Hexenwahn


Jeder kennt Hexen, diese meist alten Weiber mit Warze auf der Nase, die zur Walpurgisnacht auf einem Besen zum Blocksberg reiten. Nach altem Volksglauben gibt es zwar auch männliche Hexer oder Hexenmeister, doch die Vorstellung, dass eine Frau mit übersinnlichen Kräften ausgestattet ist, ist weitaus verbreiteter. Die Legenden der Hexen sind schon uralt und lassen sich bereits unter alten Legenden der Antike in Gestalten wie Circe (Kirke) oder Medea finden. Diese Frauen besitzen gewaltige Zauberkräfte und ein enormes alchimistisches Kräuterwissen, welches sie befähigt magische Tränke jeglicher Art zu brauen. Besonders viel Angst hatten Menschen in solchen Legenden vor den Schadenszaubern der Hexen, so wie die in Schweine verwandelten Gefährten von Odysseus es am eigenen Leib erfahren mussten. Solche Schadenszauber und Flüche jeglicher Art standen bei den Römern unter schlimmer Strafe. In der Bibel steht auf Zauberei sogar die Todesstrafe. Bereits um das 5. Jahrhundert vor Christus wurde die Göttin Hekate als Herrin der Magie und damit als Mutter aller Hexen angesehen.

Doch besonders das Mittelalter stellt hinsichtlich des Aberglaubens der Menschen eine besonders dunkle und düstere Episode der Geschichte dar. Im 13. Jahrhundert, mit dem Erscheinen der spanischen Inquisition, wurden Hexen erstmals verurteilt, teilweise gefoltert und getötet. Doch während die Inquisition in erster Linie Ungläubigen auf die Pelle rückte, brach in der Bevölkerung ein handfester Hexenwahn aus. Die Hexenverfolgung ging teilweise soweit, dass Kinder ihre eigenen Mütter auf den Scheiterhaufen brachten. Die Gründe für die Hexenverfolgung waren meist absurd und konstruiert. So wurde beispielsweise sehr schönen Frauen angedichtet einen Pakt mit Satan eingegangen zu sein, um mit ihrer betörenden Schönheit die Männer verführen zu können. Dies war natürlich eine geschickte Methode für eine Neiderin, um eine lästige Konkurrentin los zu werden. 1486 erschien dann der berüchtigte "Hexenhammer", der Malleus Maleficarum, der sich auf hunderten von Seiten damit beschäftigte, woran man Hexen erkennen könne, welche Hexereien sie praktizierten und wie man sie zu bestrafen hätte. Darin kamen auch die schon von der Comedy Gruppe Monty Python auf die Schippe genommenen Hexenproben vor: Die Wasserprobe, der Kesselfang, die Wiegeprobe, das Stechen von Muttermalen, den "Hexenmalen" oder das Vorlesen lassen vom Leidensweg Jesu.

Besonders durch die Kirche und die Erbsündenlehre, welche behauptete, dass Frauen besonders empfänglich für die Verführungen des Teufels seien, gerieten die Frauen unter den Verdacht im Auftrag Satans Leid über Vieh und Mensch zu bringen. Man sprach schließlich sogar von einer allgemeinen Verschwörung gegen das Christentum, durch organisierte Hexen eines "Hexensabbat". Solche Frauen, die vom Glauben abgefallen waren, konnten nur durch Leid und Feuer, so wie es das biblische Fegefeuer verbildlicht, von ihren Sünden gereinigt werden. So mussten unzählige unschuldige Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Die Hexentheoretiker meinten bereits ab dem 1400 Jahrhundert 5 Merkmale ausgemacht zu haben, welche Hexen und ihr Handeln beschreiben:

1. Der Hexenflug auf Hexenbesen, Tieren, Dämonen oder mit Hilfe von Zaubertränken.
2. Die Zusammenkunft mit dem Teufel und anderen Hexen auf dem Hexensabbat.
3. Der Pakt mit dem Teufel.
4. Geschlechtsverkehr mit dem Teufel, welcher dabei als wunderschöner Mann (Incubus) oder als wunderschöne Frau (Succubus) auftritt.
5. Der Schadenszauber, die schwarze Magie, die auch Fluch genannt wird.

Die Hexen, die wir heute aus den Medien oder aus Märchen kennen, sind mit ihren fliegenden Besen lediglich moderne zurechtgestutzte Versionen dieser Frauen, die angeblich mit Satan im Bunde standen und schwarze Magie praktizierten. Erst durch die Hexenverfolgung und die Christianisierung bekamen die Hexen ihre dämonischen Züge. Zunächst besaß die Hexe eher die Attribute einer Druidin, welche zaubern, hellsehen, heilen und Orakelsprüche abgeben konnte. Damit ähnelte sie zunächst beispielsweise der nordischen Göttin Freya, welche ebenfalls mit diesen Fähigkeiten gesehen wurde. Häufig wird die Hexe außerdem mit Vertrauten oder Tiergefährten wie schwarzen Katzen, Kröten, Eulen oder Raben (vermutlich durch Odins Raben Hugin und Munin inspiriert) dargestellt. Dies passt zu ihrem Image als Frau der Wildnis, als Grenzgängerin, die auch häufig auf einem Zaun sitzend dargestellt wurde. Aus diesem Zaun soll dann später der Stock oder Besen hervor gegangen sein.


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