Mary Shelleys Frankenstein und andere Golems


Golem ist das hebräische Wort für etwas "Ungeformtes" und im modernen Iwrit das Wort für "dumm" oder "hilflos". Die erste schriftliche Erwähnung des Golems findet sich in einem Kommentar zum Buch der Schöpfung, einem Text der Kabbala, in welchem ein Ritual zur Erweckung toter Materie erwähnt wurde. Dabei spielte die Zahlenmystik um die "Sephiroth", die zehn "Ur-Ziffern", und die Buchstaben des hebräischen Alphabets eine Rolle. Biblisch betrachtet war auch Adam, besonders nach dem Talmud, eine Art Golem, da ihm aus Lehm geschaffen von Gott Leben eingehaucht wurde. Im Mittelalter galt die Erschaffung eines Golems als Zeichen großer Weisheit und wurde deshalb nur jüdischen Gelehrten und Rabbinern zugeschrieben.

Rabbie Löw und der Golem

Richtig bekannt geworden ist der Golem in erster Linie durch die jüdische Legende des Rabbi Löw, welcher ein menschenähnliches Wesen aus Lehn formte, welches seinen Befehlen gehorchte, aber nicht sprechen konnte. Der Philosoph und Rabbi Löw empfing eine Traumbotschaft, in welcher ihm geheißen wurde einen Golem zum Schutz des jüdischen Volkes zu bauen, welches sich der Anschuldigungen erwehren musste, es begehe Ritualmorde an kleinen Kindern. Mit Hilfe seines Schwiegersohnes und eines Schülers konstruierte Löw den Golem aus den vier Elementen und Lehm. Schließlich erweckte er ihn mit dem Satz aus der Schöpfungsgeschichte zum Leben: "Und Gott blies ihm den lebendigen Atem in die Nase, und der Mensch erwachte zum Leben." Dazu legte er ihm einen Zettel mit dem Namen Gottes unter die Zunge. Die Entfernung eines oder mehrer Buchstaben hätte den Golem desaktiviert. Um auf seinen Missionen unsichtbar zu sein, legte der Rabbi dem Golem zusätzlich ein Amulett aus Hirschhaut um.

Frankenstein's Monster

In der englischen Literatur ist ein Golem ähnliches Wesen besonders in Form des künstlichen Menschen von Mary Shelleys Frankenstein bekannt. Im Zeitalter der englischen Industrialisierung hatten Menschen Respekt und Angst vor Fortschritt und Maschinen. Insofern ist der morbide Golem aus Leichenteilen, welchen Dr. Frankenstein mit Hilfe von Wissenschaft, Magie und der Macht der Elektrizität zum Leben erweckt, ein Ausdruck der Ängste der Bevölkerung des beginnenden 19. Jahrhunderts. Viktor Frankenstein kommt jedoch der Verpflichtung eines Schöpfers gegenüber seiner Schöpfung nicht nach und lässt sein äußerlich abstoßendes Monster im Stich. Das Monster rächt sich an ihm, indem es alle tötet, die dem Erfinder am Herzen liegen. Frankenstein ist ein äußerst Gesellschaftskritisches Buch über Wissenschaftswahn, Verantwortung, Rassische Vorurteile und die aristotelischen Grundsätze eines tugendhaften Verhaltens.

Andere Golems

Auch in der deutschen Romantik wird das Motiv des Golems immer wieder thematisiert. Besonders der Meister des deutschen Schauerromans E.T.A. Hoffmann spielt in Erzählungen wie dem "Sandmann" mit den schaurigen Aspekten von Maschinen, belebten Puppen und anderen künstlich belebten Konstrukten.
Auch in Fantasy Rollenspielen finden Golems als furchteinflößende Gegner gerne Verwendung. Hier können sie aus den obskursten Materialien bestehen. Neben Fleisch-, Stein-, und Lehmgolems sind Eisengolems, Feuergolems und unzählige andere Arten bekannt.


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