Der Barde als Minnesänger des Mittelalters?


Barden

Als Barden bezeichnet man gemeinhin Dichter, Musiker und Sänger aus dem keltischen Kulturkreis. Meist mit einer Leier ausgestattet spielten sie nach der frühen irischen Sage an den Höfen der irischen Könige. Im britannischen Frühmittelalter wurde der Barde zu einem Hofbeamten, einem Poeten, der für seine Position 9 Jahre studiert haben musste. Die Hochzeit des Bardentums war das Hochmittelalter: Besonders in Irland wurden zahlreiche Bardenschulen gegründet, wodurch das keltische Kulturgut von Musik und Dichtkunst sehr populär wurde.

Bekannte Bardenfiguren sind beispielsweise Ossian oder Orpheus. Ossian ist ein Barde aus der gälischen Mythologie, der vor allem durch seine Gesänge bekannt geworden ist, welche jedoch in Wirklichkeit der Schotte James Macpherson im 18. Jahrhundert geschrieben hat. Orpheus hingegen ist eine Bardenfigur aus der griechischen Mythologie. Der Legende nach war er der beste lebende Sänger und Musiker, der mit seinem wunderschönen Gesang und dem Spiel seiner "Lyra" wilde Tiere und sogar das Meer friedlich stimmen konnte. Der Sage nach starb seine Geliebte, die Nymphe Eurydike, an einem Schlangenbiss und fuhr in die Unterwelt hinab. Orpheus folgte ihr und überzeugt durch sein liebliches Spiel mit der Leier den Gott der Unterwelt, Hades, so dass dieser seine Geliebte wieder frei gab. Einzige Bedingung war, dass er vorangehen und seine Eurydike beim Aufstieg aus der Unterwelt nicht ansehen dürfe. Weil er ihre Schritte jedoch nicht hörte, wurde ihm Angst und Bange und er wandte sich um. Daraufhin erstarrte Eurydike zu einer Salzsäule und musste im Reich der Toten bleiben.

Minnesang

Im Zusammenhang mit Barden und Dichtern denkt man in Bezug auf das Mittelalter häufig an den Minnesang. Eigentlich jedoch hat das Lautenspiel eines Barden unter dem Fenster einer Geliebten nur indirekt etwas mit dieser Form des Gesangs zu tun. Minnesang nennt man nämlich die schriftlich überlieferte und ritualisierte Form gesungener Liebeslyrik, wie sie der westeuropäische Adel im hohen Mittelalter pflegte. Diese ritterliche Liebesdichtung hatte ab Mitte des 13. Jahrhunderts stets unerfüllte Liebe, Lobpreisungen der Angebeteten oder die Schilderung erotischer Erlebnisse zum Inhalt. Die ersten Minnesänger waren die Trobadors in Südfrankreich. Wenn man Barden und Gesang in Bezug auf das Mittelalter thematisiert, dann sind damit wohl eher die Spielleute und Gaukler gemeint.


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